Gema 2.0 – Podcastkönige krönen Plattenkaiser
Mrz 09, 07
Allgemeines, Der gute Kunde, Vertrieb Marketing, Musik, Podcast 1 Kommentar
Was ist das größte Interesse der großen Plattenfirmen? Umsatz, mehr Umsatz! Und die größte Angst? Illegaler Musiktausch, also entgangener Umsatz. Deswegen ist es unter anderem auch verboten, Gema-lizensierte Musik in Podcasts zu spielen.
Genau hier schießen sich die Plattenfirmen (wie auch die Künstler) ins Knie.
Ich betrachte hier ausschließlich den privaten Podcaster, der ohne Gewinnabsicht aus Spaß an der Freude regelmäßig sein Privatradio veranstaltet. Bisher verstößt er (sie natürlich auch) gegen das Urheberrecht, wenn er lizensierte Musik spielt und dafür keine Abgaben zahlt. Das ist erstens nicht ganz einfach, denn die Gema tut sich schwer dies für Podcaster zu berechnen und zweitens wäre es schlichtweg unbezahlbar.
Nehmen wir einmal an, es würde diese Hürde nicht geben und jeder Spaß-Podcaster (d. h. ohne Gewinnabsichten) kann spielen was er will. Ich glaube, Folgendes würde passieren: Der Podcaster spielt seine Lieblingsmusik und gibt somit Gleichgesinnten Empfehlungen für einzelne Stücke oder auch ganzen CDs. Vielleicht ist der Podcaster passionierter Kenner eines bestimmtes Genres, vielleicht einer Musikrichtung, die im Radio nie gespielt würde. So ein Podcast findet schnell viele treue Hörer und führt – bewiesener Maßen – zu Umsätzen in der Plattenindustrie. Umsätze, die sonst nicht da wären! Das ist das alte Prinzip des Empfehlungs-Marketings: der beste Verkäufer ist ein Freund, der mit glänzenden Augen einen Tipp gibt.
Hier der Beweis: Die von Adam Curry gestartete Firma Podshow versammelt unabhängige Künstler auf eine Plattform. Künstler können dort kostenfrei Musik einstellen, jeder Poicaster darf diese kostenfrei herunterladen und in eigenen Podcasts unbegrenzt spielen. Auf der Webseite kann dieser Song dann für 99cent vom Hörer gekauft werden (ohne lästiges DRM, versteht sich). In Adam Currys eigenem Podcast, dem Daily Source Code, wird gelegentlich lizensierte Musik gespielt – verbotener Weise. Wer will ihm aber böse sein? Ich habe neulich das Lied “Clouds across the moon” von der RAH Band gekauft, nachdem Adam seinen Melancholischen hatte. Und so passiert es oft, anderen geht es ähnlich.
Also – wo ist das Problem? OK, man kann den Podcast mitschneiden und hat so die Musik umsonst. Mal ehrlich, ist dies das typische Schema von Musikliebhabern? Zur Not könnte man den Podcaster ja noch zu Voice-Over verdonnern. Ich glaube aber eher, dass ein tolles Lied mit einer tollen Geschichte zum Kauf einer oder zweier CDs animiert – so wird es auch immer aus Musikforen berichtet. Dort allerdings mit dem Nachteil, dass man nicht Probehören kann. Ein Riesenproblem übrigens, denn wo kann man dies noch? Der Media-Markt um die Ecke hat auch nur das Gängigste im Angebot, Nischen-Freaks können gleich zu Hause bleiben. Also auf Verdacht bestellen und das Rückgaberrecht nutzen? Diese Hürde ist oft viel zu hoch.
Gebt Privat-Podcastern die Gema 2.0-Lizenz: Lasst sie straf- und lizenfrei Musik spielen, egal welche! Es ist im Interesse aller: der Künstler bekommt das Auditorium, was er sonst nicht hat, die Plattenfirmen den Umsatz und der Hörer? Endlich mal die Musik, die er hören möchte und nicht den täglichen Hitparaden-Einheitsbrei. Die Gema? Die bekommt weniger Lizenzgebühren. Diese soll sie aber eh’ nur an den Künstler weiterreichen. Dieser wird’s verschmerzen können, der denn Umsatz kommt jetzt direkt.
Liebe Plattenfirmen: von der Gema ist nicht zu erwarten, dass sie ihr eigenes Geschäftsmodell untergräbt. Deshalb erweitert die Nutzungsrechte im Sinne von: Mehr Kohle für Euch!
P. S.: Wer einen Einbblick in lizenfreie Musik haben möchte, hier ein exzellenter Podcast zum Einstieg: Top of the Podsafes oder für Blues-Freunde: Lindis Bluescast.
P. P. S.: Der nächste Beweis, dass Podcaster ein umsatzrelvantes Publikum haben wird am 22. März 2007 angetreten: bum rush the charts. Wir werden alle an diesem Tag einen bestimmten Song auf iTunes kaufen – mal sehen, ob wir den Titel in die Charts bekommen. Übrigens: die Band sperndet die Hälfte des Umsatzes für Eltern, die sich die Schule der Kinder nicht leisten können.
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Mrz 22, 2007 @ 02:55:46
Deinen Artikel kann ich voll unterschreiben. Und nicht nur aus Eigeninteresse!
Danke für den Link.
Martin